Bevor Sie einer koreanischen Agentur ein Briefing schicken, sollten Sie eines wissen: Das Format, das dort „Card News" heißt, existiert in der englischsprachigen Marketingliteratur nicht. Es ist ein Carousel. Koreanische Medien haben den Namen um 2014 erfunden, und er hat das Land nie verlassen. Dieses Kapitel behandelt, was Sie für koreanische Kampagnen produzieren sollten, was jedes Format in Herstellung und Ausspielung kostet, und warum die Benchmark-Zahlen, die Sie finden, um den Faktor zwei auseinandergehen.
Was Koreaner „Card News" nennen, ist ein Carousel
Wenn Sie bei einer koreanischen Agentur Werbemittel anfragen, kommen drei Begriffe zurück: 카드뉴스 (Card News), 단일 이미지 (Einzelbild) und 릴스 (Reels). Der erste schickt Sie auf die Suche nach Studien, die es nicht gibt.
Card News entstand um 2014 in koreanischen Redaktionen, um Artikel auf Facebook zu bringen. Koreanische Medienhäuser haben das Format gebaut, und es blieb im Land. Deshalb taucht der Begriff in keinem englischen Benchmark-Report auf. Im Meta-Werbeanzeigenmanager heißt er schlicht Carousel.
- ▸카드뉴스 (Card News) = Carousel. Mehrere wischbare Frames, meist textgeführt. Suchen Sie nach carousel ad performance, nicht nach card news.
- ▸단일 이미지 (Einzelbild) = Static. Ein Frame, eine Botschaft.
- ▸릴스 (Reels) = vertikales Kurzvideo. 숏폼 (Short-Form) ist der Oberbegriff für Reels, Shorts und TikTok.
- ▸Koreanische Agenturen kalkulieren die drei getrennt, weil Produktionsablauf und Kosten deutlich auseinanderliegen.
Die Nachfrage nach diesen Begriffen in Korea ist messbar. Wir haben die monatlichen Suchvolumina am 23. September 2026 direkt über das Keyword-Tool von Naver Search Ads erhoben.
Ein Detail lohnt den Blick: 숏폼 und 릴스 werden zu 75 bis 79 Prozent mobil gesucht, 메타광고 dagegen zu 76 Prozent am Desktop. Formatnamen sind Konsumentenvokabular, Plattformnamen sind Fachvokabular. Nutzen Sie das eine im Anzeigentext, das andere im Briefing.
Worin sich die drei tatsächlich unterscheiden
Vergessen Sie die Spezifikationsblätter. Das hier sind die Unterschiede, die Ihre Arbeitswoche verändern.
| Carousel (Card News) | Einzelbild | Reels / Video | |
|---|---|---|---|
| Produktionszeit | Halber bis ganzer Tag | 1 bis 2 Stunden | 2 Tage bis 1 Woche |
| Korrekturkosten | Ein Frame austauschen | Komplett neu bauen | Bei Nachdreh von vorn |
| Informationsmenge | Hoch (5 bis 10 Frames) | Eine Zeile | Mittel, aber streng sequenziell |
| Wiederverwendung | Frames einzeln nutzen | Unverändert | In mehrere Clips schneiden |
| Passt zu | Erklärungsbedürftigem | Bereits Bekanntem | Nie Gesehenem |
Die wichtigste Zeile sind die Korrekturkosten. Anzeigen werden nicht einmal ausgeliefert, sondern ausgeliefert, gemessen und ersetzt. Beim Carousel ändern Sie Frame drei; bei einem Video mit falschem Satz drehen Sie neu. In der Praxis wiegt dieser Unterschied schwerer als das Produktionsangebot.
Nicht das Format gewinnt, sondern die Position im Funnel
Genau hier liegen die meisten Formatvergleiche daneben.
Motion hat über 550.000 Anzeigen von mehr als 6.000 Werbetreibenden mit 1,3 Milliarden US-Dollar Spend auf Facebook und Instagram zwischen September 2025 und Januar 2026 ausgewertet. Der Befund zu Carousels:
Carousels lieferten im Retargeting einen um 15 Prozent niedrigeren CPA als UGC-Video, in der Neukundengewinnung jedoch einen um 40 Prozent höheren.
Gleiches Format, gegenteiliges Ergebnis, entschieden allein davon, wer es sieht. „Carousels konvertieren besser" ist deshalb nur ein halber Satz.
Für eine Marke, die neu nach Korea geht, ist am Anfang fast der gesamte Spend kalt. Das spricht für Video zuerst, was unglücklich ist, weil Video zugleich das Format ist, das sich aus der Ferne am schwersten produzieren lässt. Zwei Umwege: Clips von koreanischen Creators lizenzieren statt selbst zu drehen, oder für einige Wochen einen höheren Kalt-CPA in Kauf nehmen, bis ein Retargeting-Pool existiert.
Was es kostet, in Herstellung und Ausspielung
Zwei getrennte Budgets. Sie zu vermischen ist der häufigste Planungsfehler, den wir sehen.
Produktion
Der koreanische Freelance-Markt konzentriert sich im unteren Bereich. Von 460 Marketing-Angeboten, die wir auf Kmong erhoben haben, liegen rund zwei Drittel unter 100.000 KRW (etwa 65 Euro), allerdings ist das überwiegend Template-Arbeit.
Unsere eigenen veröffentlichten Produktionspreise zeigen das andere Ende:
| Leistung | Veröffentlichter Preis (KRW) |
|---|---|
| Produktseite lokalisieren und neu gestalten | 99.000 |
| Coupang-Produktseite | 249.000 |
| Shooting-Paket für Distribution | 400.000 |
| Shooting-Paket Produktaufnahmen | 500.000 |
| Reels-Paket (10 Creators) | 2.400.000 |
Der Sprung passiert in dem Moment, in dem ein Mensch und eine Kamera ins Spiel kommen.
Media
| Benchmark | CPM |
|---|---|
| Meta weltweiter Durchschnitt, Q1 2026 | 8,50 bis 14,00 USD |
| Häufig genannter koreanischer Wert | etwa 18.000 KRW |
| Unsere koreanischen Kampagnen, enges B2B-Targeting | 35.000 bis 38.000 KRW |
Korea ist nicht strukturell teurer als der weltweite Durchschnitt. Teuer ist enges Targeting. Wir fahren eng definierte B2B-Zielgruppen und zahlen etwa das Doppelte des üblicherweise genannten koreanischen CPM. Wer mit 18.000 KRW CPM plant und dann eng targetiert, erreicht ungefähr die Hälfte der eingeplanten Menschen.
Warum die Zahlen, die Sie finden, auseinandergehen
Suchen Sie nach Meta-Benchmarks, finden Sie CPC-Werte zwischen 0,70 und 1,72 US-Dollar. Keiner davon ist falsch. Sie messen Unterschiedliches.
Drei Prüfungen, bevor Sie einer Zahl trauen:
Welches Ziel. WordStream und LocaliQ beziffern die Facebook-CTR mit 1,71 Prozent für Traffic-Kampagnen und 2,59 Prozent für Lead-Kampagnen, den CPC mit 0,70 beziehungsweise 1,92 US-Dollar. Gleiche Plattform, anderes Ziel, sehr andere Zahl.
Welcher Markt. Für Korea ist das wichtiger als anderswo. Koreanischsprachige Artikel über Werbekosten rechnen fast durchweg US-Zahlen zum Wechselkurs um. Ein vielgelesener koreanischer Leitfaden zitiert WordStream und warnt die eigenen Leser im selben Atemzug davor, den umgerechneten Wert als koreanischen Preis zu lesen. Einen veröffentlichten koreanischen Benchmark nach Kreativformat gibt es faktisch nicht.
Wie groß die Stichprobe. Eine Auswertung von 550.000 Anzeigen und ein Blogbeitrag über zwanzig Konten sind keine gleichwertigen Belege. Wo Stichprobengröße und Zeitraum fehlen, behandeln Sie die Zahl als Anekdote.
Wie viele Werbemittel Sie brauchen
Die Mengenfrage entscheidet mehr als die Formatfrage, und fast niemand schreibt sie ins Briefing.
- Nur 5 bis 8 Prozent der Anzeigen werden echte Gewinner. Rund die Hälfte erhält nie nennenswerten Spend.
- Die Conversion Rate fällt um etwa 45 Prozent, nachdem dasselbe Motiv viermal gesehen wurde.
- Der Median-Werbetreibende liefert 6 bis 7 neue Motive pro Woche aus, die oberste Spend-Klasse 12 bis 19 oder mehr.
- Eine gesunde Hook Rate für Video liegt 2026 zwischen 25 und 35 Prozent.
Zusammen gelesen heißt das: Ein sorgfältig gebautes Asset monatelang laufen zu lassen, hat die falsche Form. Es braucht Menge und Rotation, und damit sind wir wieder bei den Korrekturkosten aus der Tabelle oben. Ein Format, dessen Änderung eine Woche dauert, kann in diesem Rhythmus nicht mitspielen.
Für eine Marke, die Korea testet, reichen drei bis vier neue Motive pro Monat, Schwaches innerhalb von zwei Wochen abgeschaltet, um vor den meisten Werbetreibenden im Markt zu liegen.
Was wir bei eigenen koreanischen Kampagnen gelernt haben
Wir fahren Meta-Kampagnen aus Korea. Das hier steht nirgends geschrieben.
Die Platzierung verändert den CPM um bis zu das 500-fache. In unserem Konto kosteten Facebook- und Instagram-Platzierungen 35.000 bis 38.000 KRW pro tausend Impressionen, das Audience Network rund 66 KRW. Wenn Ihre Impressionszahl auffällig günstig aussieht, prüfen Sie, ob das Audience Network aktiv ist. Das sind nicht dieselben Impressionen.
Advantage+ Creative Enhancements verzerren statische Bilder. Metas automatische Musik, Animation und Helligkeitsanpassung beschädigen sorgfältig gesetzte statische Motive sichtbar, und duplizierte Anzeigen übernehmen die Einstellung eingeschaltet. Wir haben das über neun Anzeigen hinweg gefunden und einzeln deaktiviert. Prüfen Sie es bei jeder Duplizierung.
Ein offener Rechnungsbetrag blockiert stillschweigend Kreativ-Änderungen. Hat das Konto eine offene Zahlung, scheitern Upload und Bearbeitung von Motiven mit einem Fehler, der wie ein Berechtigungsproblem aussieht. Man debuggt leicht einen halben Tag Zugriffsrechte, während die Antwort in der Abrechnung liegt.
Eine Klarstellung in eigener Sache: Wir haben die drei Formate noch nicht unter gleichen Bedingungen gegeneinander getestet. Der Formatvergleich oben ist aus den genannten Quellen zitiert; unsere eigenen Messungen decken Platzierung und Betrieb ab. Sobald ein sauberer Vergleichstest läuft, ersetzen wir die geliehenen Zahlen durch koreanische.
Häufige Fragen
Sind Card News und Carousel dasselbe?
Nah genug, um sie im Briefing austauschbar zu verwenden. Card News ist der koreanische Begriff und trägt die Konnotation textgeführter, informativer Frames. Carousel ist der Plattformbegriff für das wischbare Format selbst, ob die Frames nun Text oder Produktfotos enthalten.
Sollen wir Reels im Heimatmarkt oder in Korea drehen?
Steht das Produkt im Mittelpunkt, genügt eigenes Material. Steht ein Mensch im Mittelpunkt, drehen Sie in Korea oder lizenzieren Sie von koreanischen Creators. Koreanische Zuschauer lesen heimische Signale schnell, und ein sichtbar importiertes Video konvertiert schlechter als ein schlichtes Einzelbild.
Muss koreanischer Text auf dem Motiv stehen?
Für kalte Zielgruppen ja. Rein englische Motive werden als nicht zugeschnittene Werbung gelesen und drücken Klickrate wie Vertrauen. Was nach dem Klick passiert, behandelt Meta- und Instagram-Werbung in Korea.
Video hat die höchste Klickrate. Warum folgt der Umsatz nicht?
Bewegung stoppt das Scrollen gut, also kommen Klicks herein. Ob diese Klicks von kaufbereiten Menschen stammen, ist eine andere Frage. Lesen Sie Klickrate und Conversion immer gemeinsam, nie die Klickrate allein.
Können wir Motive aus anderen Märkten wiederverwenden?
Statische Bilder und Carousels lassen sich gut übertragen, sofern der Text wirklich lokalisiert und nicht maschinell übersetzt wird. Am schlechtesten überträgt sich Video, weil Tempo, Textdichte im Bild und Besetzung allesamt als fremd gelesen werden. Beginnen Sie damit, vorhandenes Material mit koreanischem Text neu zu schneiden, statt einen neuen Dreh zu beauftragen.